Das andere Unwort des Jahres
(Januar 2010)
![]() Penetranz siegt. Foto vom Kurfürstendamm in Berlin. Nur frankophone Länder bleiben verschont, weil „sale“ dort schmutzig, dreckig, schmierig bedeutet. |
Warum nicht diese hier?
Folgende im letzten Jahr in der Öffentlichkeit präsente Begriffe finde ich unwortverdächtig, wenn sie auch nicht auf dem Siegertreppchen stehen werden:
• „Politik-Beratung“ (Euphemismus für Lobbyismus mächtiger Konzerne und ihrer teils hauseigenen Denkfabriken)
• „Militärisch angemessen“ (Guttenbergs Bezeichnung für die Tötung Unschuldiger bei Kundus)
• „Aufständische“ (so nennt das Bundesverteidigungsministerium in Kolonialherrenmanier Afghanen, mit denen sich die Bundeswehr Gefechte liefert, wenn sie Deutschland am Hindukusch verteidigt)
• „Gegenderte Sprache“ (besonders wichtig nach dem Politiker-Aufruhr in Hamburg im Sommer 2009 wegen des PIXI-Schulbuchs „Politik und Demokratie”, in dem sexistischerweise von „Schulleiter“, „Bewohner“ und „Wähler“ nicht in der weiblichen Form die Rede war)
• „Nacktscanner“ (seit Ende 2009 groß in Mode)
Mein persönlicher Unwort-Favorit aber ist:
• „Sale“. Dies Wort für (Aus-)Verkauf, das in deutschen Landen derzeit den Winterschlussverkauf vollkommen abgelöst zu haben scheint, siegt einfach aufgrund penetranten Gebrauchs.
Gerhard Frey