Zum Tode des Ausnahme-Journalisten Bernd Dröse
(November 2006)
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Journalistischer Lehrmeister und Anreger
Bernd Dröse, geboren in Dortmund als Spross einer ostpreußischen Familie, war ein großer journalistischer Lehrmeister und Anreger. Er war ein Vorbild als Mensch, als einer, der sich immer weiter bildete, als Sprachschöpfer, als „Polygraph“, wie er sich selbst einmal bezeichnete, als Redner, als Debattant, als ein Mann, der alles prinzipiell unkonventionell und selbständig betrachtete, als Preuße und als Deutscher.
Man war, wenn man mit dieser oder jener Frage zu ihm kam, gespannt, wie er sie wohl beleuchten würde und die Wendung, die er den Dingen gab, war immer überraschend. Bernd Dröse, der auch ein begabter Musiker war, liebte die Bildung neuer Begriffe ebenso wie die Wiedererweckung in Vergessenheit geratener Wörter, ohne dabei gestelzt zu wirken. Er war wie wenige andere in der deutschen Sprache behaust. Er war als Journalist unglaublich schnell und zugleich genau, was in Verbindung mit dem ihm eigenen Tiefgang seinesgleichen suchte. Er hat immer seine Pflicht erfüllt, koste es was es wolle, und ist vor keiner Aufgabe zurückgewichen.
Es heißt: Über die Toten nur Gutes! Auf diese Anstandsregel muss man bei diesem Mann nicht zurückgreifen. Bernd Dröse hatte bis zu seiner Krankheit immer einen festen, tiefen Schlaf und sein Geheimnis war ganz einfach: Üb immer Treu und Redlichkeit und weiche keinen Fingerbreit von Gottes Wegen ab!
Den Streit in der Sache und um der Sache willen scheute er nie, aber persönliche Auseinandersetzungen vermied er nach der friderizianischen Devise „Tiefer hängen!“ Er hatte einen strengen Ehrbegriff, den er in seinem Handeln nicht unterschritt. Bernd Dröse war zwar ein Meister der Öffentlichkeitsarbeit er selber sagte rundheraus „Propaganda“ , aber nie gewissenlos. Die Wahrheit verleugnen oder sich über den Glauben oder die ehrliche Überzeugung anderer lustig machen das gab es nicht.
Die andere Feldpostnummer, den innenpolitischen Gegner, hat er mit politischen Mitteln bekämpft, aber nicht vergessen: Das ist auch Deutschland! Und Deutschland, das braucht man kaum zu betonen, Deutschland liebte er über alles. Er liebte es so, weil es eben gerade nicht siegreich, kraftstrotzend und selbstgewiss ist. Und Bernd Dröse spielte, um es mit Walt Whitman zu sagen, „nicht nur einen Marsch für die Sieger, sondern auch Märsche für Besiegte und Erschlagene“.
Wie Winkelried in den Tod
Nicht zufällig befasste er sich in einem seiner letzten Beiträge unter der Überschrift „Was ist unsterblich am Deutschen Reich?“ mit dem vor zweihundert Jahren beendeten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, dessen Geschichte er detailliert kannte und unvergleichlich zu deuten wusste. In der Hinwendung zum Alten Reich kam auch sein Talent zur Transzendenz, zur Selbsttranszendenz zum Ausdruck, ohne die ihm nicht jene Haltung gelungen wäre, die er bis zuletzt an den Tag gelegt hat.
Sein Ideal war es, ungerührt wie Winkelried der Schweizer Held in den Tod zu gehen, und er hat im Angesicht des sicheren Endes ungefähr so viel geklagt wie andere im Normalzustand. Dabei ward es ihm wirklich nicht leicht angesichts seiner außergewöhnlichen Frau und seiner sieben prächtigen Kinder, von denen er nicht Abschied nehmen wollte und die von ihm nicht Abschied nehmen wollten.
Er beging jeden Tag getreu der Devise Dum spiro spero: Solange ich atme, hoffe ich. „Resignation ist der schärfste Feind der Nation“, pflegte er zu sagen. Er glaubte an die Möglichkeit, das Schicksal zu wenden, und hat damit oft Recht behalten. Diesmal ist es ihm nicht gelungen. Dabei hätten wir es ihm zugetraut und haben bis zuletzt auf ein Wunder gehofft.
Bernd Dröse und ich haben manchmal über Gustav Freytags Figur des Journalisten „Schmock“ gesprochen, der schreibt, wie es gerade opportun ist, und Dröses genaues Gegenteil verkörpert.
Als er kürzlich zu mir sagte, er bedauere, nicht mehr wie früher kämpfen zu können, antwortete ich ihm: „Du weißt doch, was Friedrich der Große sagte, als Zieten an der Tafel einschlief und ein Höfling ihn wecken wollte?“ Und Bernd zitierte: "Er hat in mancher Nacht für uns sich wach gehalten, der hat genug gewacht!"
„Wie er die Pelze wusch...“
Ich habe mir danach das Gedicht Theodor Fontanes über den Husarengeneral Hans Joachim von Zieten noch einmal durchgelesen und fand, es passt auch sonst nicht schlecht auf Bernd Dröse (der freilich das Raushalten aus allen Kriegen predigte):
“Dem Feind die Stirne bieten tat er viel hundertmal.
Die haben all' erfahren, wie er die Pelze wusch...“
Ja, so war auch Bernd Dröse, ob er 1989 auf dem Klagesmarkt in Hannover sprach, während Stahlkugeln aus den Zwillen der „Antifa“ ihm um die Ohren zischten und schließlich ein Verrückter mit dem blanken Messer auf uns losging, oder ob er in einer Fernsehdiskussion mit der ihm eigenen Wortgewalt bar des üblichen Respekts „Stützen der Gesellschaft“ wie Michel Friedman Paroli bot.
Wenn es mehr von seiner Sorte gäbe, dann wäre mir um Deutschland nicht bange! Doch ewiges Stirb und Werde endet Fontanes Gedicht mit den Worten: „Wie selber er genommen die Feinde stets im Husch, so war der Tod gekommen, wie Zieten aus dem Busch.“ Er wird mir unsagbar fehlen.
Gerhard Frey