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Fluchtversuch

Reif für Linux?

(März 2010)

Jetzt war es genug! Zum x-ten Mal versuchte mein Rechner, mir das Windows-„Notification“-Programm aufzuzwingen, das prüft, ob die Software auf dem Computer auch wirklich ordentlich lizenziert ist. Das ist sie ohnehin. Außerdem ärgere ich mich schon lange, dass Müller und Frey, Li und Wang, Smith und Smirnow an Microsoft zahlen.

Als nun ein neuer Rechner fällig wurde, lag es nahe, eine Windows-freie Zone aufzumachen. Also ein Gerät ohne Betriebssystem gekauft. Und dann eine der Zeitschriften besorgt, denen bis zu zehn Linux-Betriebssysteme auf DVD beiliegen.

Ich installiere zunächst die Linux-Variante „Ubuntu“. Die Verbindung mit dem Drahtlosnetzwerk ist sofort hergestellt. Als Fenster zum Internet ist „Mozilla Firefox“ dabei. Auch das mitgelieferte E-Post-Programm „Evolution“ ist praktikabel. Und die Textverarbeitung etc. von OpenOffice ist auch da. Aber das Installieren von weiteren Programmen erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Auch ein befreundeter Informatiker, der beruflich mit der Linux-Variante „Debian“ arbeitet, kommt nicht klar. Er gibt unverständliche Befehle in die Kommandozeile ein. Nach einer halben Stunde ist das fragliche Programm noch immer nicht aufgesetzt.

Zu viel für mich. Also die Konkurrenz ausprobiert: „OpenSUSE“ heißt diese Linux-Distribution. Installation auch hier problemlos. Die Optik auf dem Bildschirm überzeugt. Alles ist übersichtlich. Dieselbe Grundausstattung. Das mitgelieferte E-Post-Programm heißt hier „KMail”. Und der sogenannte Paketmanager für das Installieren von Programmen tut auf Anhieb seine Arbeit. Nur die Suchfunktion ist lausig. Alles im grünen Bereich also?

Für die meisten Anwendungen ja. Aber – von Microsoft gewollte – Kompatibilitätsprobleme bleiben. Wenn man beispielsweise Texte in das Layout-Programm QuarkXPress importiert, kann es Probleme mit Sonderzeichen, Umlauten oder Anführungszeichen geben.

Der Traum, von Microsoft loszukommen, bleibt. Es ist einfach angenehm, wenn die benutzten Programme für niemanden ein unbekanntes Hintertürchen enthalten. Es ist kein Zustand, dass Microsoft eine Art Nebensteuereinnehmer für fast jeden Computerarbeitsplatz auf der Welt ist. Die Freie-Software-Gemeinde ist schon sehr weit gekommen. Ein paar Schritte noch – und der Monopolist müsste sich fürchten.

Gerhard Frey