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Heiße Bachelor, heiße Master gar?

(Juni 2009)

Mancher hat wenig übrig für Studentenproteste gegen schlechte Ausbildungsbedingungen. Etwa weil er meint: Wer lernen will, kann das immer und überall. Aber diesmal sieht die Sache anders aus: Die Forderung nach mehr Geld für Bildung unter Hinweis auf das Vergeuden von Aberhunderten Milliarden Euro für Banken-Rettungspakete ist nachvollziehbar. Und auch die Proteste gegen „Bachelor“- und „Master“-Studiengänge treffen ins Schwarze. Vor allem die Techniker, die bisher den 1899 eingeführten, weltweit angesehenen akademischen Grad „Diplom-Ingenieur“ erwarben, werden so um Prestige und Chancen gebracht. Den Protest der Studenten hiergegen als „gestrig“ abzutun, wie es die Bundesbildungsministerin tut, ist kein Argument. Zumal Bachelor und Master außerhalb angloamerikanischer Länder nur eine Mode sind – oder vielleicht auch nur waren, als vor zehn Jahren, am 19. Juni 1999, der „Bologna-Prozess” (zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bis zum Jahr 2010) in Gang gesetzt wurde. Seither hat Amerika, das hier unsere „Master’s voice” gespielt hat, viel von seiner Strahlkraft verloren. Alles spricht dafür, den Absolventen wieder die Grade „Diplom-Ingenieur“ beziehungsweise „Magister“ zu verleihen – und dazu das Recht, bei Bedarf auch die Bezeichnung „Master” zu führen. „Magister“ war ja selbst für Goethes Faust ein ausreichender Titel, weswegen es in der Tragödie erstem Teil nicht heißt „Heiße Bachelor, heiße Master gar“, sondern: „Heiße Magister, heiße Doktor gar“. Auch im „Zauberberg” sagt Hans Castorp selbstverständlich „Ich bin Ingenieur“ und nicht „Ich bin Master of Engineering”. Und dem Ingenieur ist – wie seit Heinrich Seidels „Ingenieurlied” von 1871 bekannt – „nichts zu schwer”, er kommt schon in Grimmelshausens Roman „Simplicissimus“ (1668) vor und wurde von Oswald Spengler als „Priester der Maschine“ gefeiert.

Deutsche Absolventen „Master of Engineering“, „Master of Science“ oder „Master of Education“ zu nennen, ist so gar nicht Master-mäßig, sondern eher Ausdruck einer Sklavengesinnung. Sie „Bachelor“ zu nennen, ist fast noch doofer, da man mit dem „Baccalauréat“ in Kontinentaleuropa seit langem eher das Abitur verbindet.

Politiker, die so rücksichtslos mit dem alles in allem bewährten Hochschulwesen in der Bundesrepublik und in Österreich umgehen, kann man mit einem zarten Hinweis auf das Humboldt’sche Bildungsideal logischerweise kaum beeindrucken.

Gerhard Frey