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50 Jahre Volksabstimmung an der Saar:

Keine Briefmarke wert?

(Februar 2005)

So hätte sie aussehen können. Aber eine Briefmarke zum 50. Jahrestag der Volksabstimmung im Saarland am 23. Oktober 1955 wird es skandalöserweise nicht geben. Damals lehnten die Saarländer das so genannte „Saarstatut“ ab und machten dadurch den Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland möglich. Im Saarlied „Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar“, von Hanns Maria Lux 1920 zur Melodie des Steigerliedes verfasst, heißt es: „Reicht euch die Hand, schlinget ein Band um junges Volk, das deutsch sich nennt.“ Der Handschlag war bei den Saarabstimmungen 1935 und 1955 Symbol des Votums für Deutschland.

„Berücksichtigung leider nicht möglich“

Ein Blick zu den Nachbarn zeigt uns manchmal, was bei uns nicht richtig tickt: Es ist beeindruckend, wie Italien ab Oktober 2004 die Rückkehr Triests vor 50 Jahren feierte. Nicht nur Ausstellungen („Triest – ein Traum in Grün-Weiß-Rot“), Gedenktafeln und Veranstaltungen waren dem Ereignis gewidmet. Die italienische Post brachte zum Jahrestag auch eine Briefmarke und einen höchst aufschlussreichen Band über die Geschichte des Postdiensts in Triest heraus.

Dies vor Augen erlaubte ich mir am 24. Januar 2005, dem Herrn Bundesfinanzminister Eichel, Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin, Herausgeber der deutschen Postwertzeichen, zu schreiben: „Am 23. Oktober 2005 jährt sich zum 50. Mal die Volksabstimmung, die den Weg frei machte für die Rückkehr des Saarlandes zu Deutschland. Bitte teilen Sie mir mit, ob und ggf. welche Motive auf deutschen Postwertzeichen in diesem Zusammenhang erscheinen werden.“

Vergangene Woche erhielt ich die Antwort des Bundesfinanzministeriums („Leitungsstab Referat Postwertzeichen“): „Eine Berücksichtigung Ihrer Anregung ‚50. Jahrestag der Volksabstimmung zur Rückkehr des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland’ ist leider nicht mehr möglich.“ Und: „Der Programmbeirat beim Bundesministerium der Finanzen hat nur einen begrenzten Spielraum, da lediglich rund 50 Sondermarken im Jahr herausgegeben werden.“

Nun hatte auch die italienische Post nicht einer Anregung meinerseits bedurft, um die Sondermarke zur Rückkehr Triests (die Stadt hat ein Zehntel der Fläche und ein Viertel der Bevölkerung des Saarlands) herauszugeben. Es war schlicht selbstverständlich. Und wenn man in Eichels Ministerium die demokratische Entscheidung über die Heimkehr eines ganzen Bundeslandes einfach vergessen haben sollte, dann wäre jetzt noch mehr als genug Zeit, um mit dem Ausgabetag 23. Oktober 2005 eine passende Sondermarke zu präsentieren.

Bitte eine Erklärung, Herr Eichel!

Sicher, die meisten Sondermarken des Jahres 2005 sind nicht zu beanstanden. Zu den Motiven zählen: 1200 Jahre Forchheim, 150 Jahre Litfaßsäule, 50 Jahre Wiederaufnahme des regelmäßigen Flugverkehrs in Deutschland, 200. Geburtstag von Hans-Christian Andersen, Leuchtturm Westerheversand, Weihe der Dresdner Frauenkirche oder 100 Jahre Friedensnobelpreis für Bertha von Suttner. Aber der 50. Jahrestag der Saarabstimmung, durch die die Weichen für die Kleine Wiedervereinigung gestellt wurden, fehlt – und dieses offensichtliche Manko wiegt schwer.

Jedes Jahr feiert die Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin den Tag der Volksabstimmung als „Saarlandtag“. Im „ältesten neuen Bundesland“ wird an diesem Tag geflaggt. Und die Landesregierung in Saarbrücken hat, wie es sich gehört, einen Staatsakt anlässlich des 50. Jahrestages der Saarabstimmung von 1955 angekündigt.

1955 haben sich die Deutschen an der Saar wie schon bei der vorangegangenen Volksabstimmung des Jahres 1935 klar und eindeutig zu Deutschland bekannt. Damit scheiterte zum zweiten Mal der Versuch der in Paris Regierenden, die das Saarland wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen und dort 1947 den Franc zum einzig legalen Zahlungsmittel erklärt hatten, sich das Gebiet anzueignen. Im Unterschied zu Abermillionen anderen Deutschen hatte die Saarbevölkerung mit ihrem Ringen um Selbstbestimmung Erfolg. Wenn das keine Sondermarke wert ist, Herr Eichel, was dann?

Gerhard Frey