Logotherapie für alle!
Politiker machen es sich bei der Ursachensuche zu leicht
(November 2006)
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Niemals gegen Schwächere Konfrontation mit einem Ehrbegriff
Auf einer anderen Ebene liegt die Aufforderung, gegen soziale Ausgrenzung an den Schulen vorzugehen. Der Täter von Emsdetten empfand sich offenbar als Ausgestoßener. Wenn man den vielen Ursachen nachgehen will, die zusammenkommen müssen, damit ein 18-Jähriger zur Killermaschine wird, kann man diesen Umstand nicht ausblenden. Dass Schule grausam sein kann, ist nicht neu. Für Schüler siehe Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“, Hesses „Unterm Rad“, Torbergs „Schüler Gerber“. Und für Lehrer man denke an Heinrich Manns „Professor Unrat“ oder Wiecherts „Der Todeskandidat“.
Zu den wenigen wirklich unumstößlichen Geboten, die mir meine Eltern in der Schulzeit mitgaben, gehörte es, dass ich mein Mütchen niemals an Schwächeren seien es Mitschüler oder Lehrer kühlen sollte. Flatterte ein Verweis ins Haus, so war die entscheidende Frage: Hatte man sich an einem Schwachen vergangen Schande! - oder sich gegen einen Starken aufgelehnt halb so schlimm. Dieses Verständnis von Ehre leuchtete mir ein und kam der jugendlichen Neigung zum Idealismus entgegen aber es war wichtig, dass man es mir näherbrachte.
Ich meine, dass Kinder und Jugendliche hierzulande nur darauf warten, mit einem Ehrbegriff, mit Idealen konfrontiert zu werden. Bastians Mitschüler hätten dann vielleicht gewusst, dass es unanständig ist, einen Schwachen, der möglicherweise an Statussymbolen nicht mithalten konnte, der sonderbar und der schulisch keine große Leuchte war, zu hänseln. Der spätere Amokläufer wiederum hätte geahnt, dass er sich mit seinem gewissenlosen Vorgehen gegen unbewaffnete und arglose Menschen kein Denkmal setzt, sondern sich für immer entehrt.
Auf der Suche nach Sinn
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„Hirn ausschalten und ballern bis die Maus glüht“
Was ist seither passiert? Es ist passiert, dass inzwischen bereits Achtjährige nichts Böses ahnend die CD zur monatlich erscheinenden „Computer-Bild Spiele“ (der mit einer Auflage von einer halben Million europaweit führenden Spielezeitschrift aus dem Hause Axel Springer) in den Rechner ihrer Eltern einlegen. Und dass sie mit darin enthaltenen „Spielen“ wie „Alien Shooter 2“ mangels sinnvoller Angebote ihre Zeit totschlagen. Da heißt es dann: „Schnappe dir eine von über 50 Wummen und zermatsche die Alienbrut in bester Splatterfilm-Manier!“ (Splatter = Horrorfilme, bei denen es vor allem um Blut und exzessive Gewalt geht.) Und: „Mehr tote Aliens pro Euro und Quadratmeter kriegst Du nirgends!“ Und: „Hirn ausschalten und ballern bis die Maus glüht!“ So wird es wohl kaum besser werden, oder?