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Missbraucht Google seine Macht?

(Januar 2010)

Wo schaut man nach, wenn man mehr über Google wissen will? Na ja, bei Google. Die Suchmaschine ist für die große Mehrheit der bald 1,8 Milliarden Menschen, die Zugang zum Netz haben, das Tor zur virtuellen Welt. Weit über 80 Prozent aller deutschen Suchanfragen werden an Google gestellt.

Doch anders als die „freie Enzyklopädie“ Wikipedia, bei der jeder mitschreiben und eingreifen kann, ist Google für die meisten Nutzer eine „schwarze Kiste“: Aufbau und Funktionsweise unbekannt.

Meinungsmacht? Fragt man Google nach Google, kommen derzeit als Erstes kritische Meldungen: Das Unternehmen sei mit den Beschwerden über sein neues Mobiltelefon „Nexus One“ überfordert. Das nämlich habe Empfangsprobleme …

Das sieht nicht nach Zensur aus. Wäre ja auch allzu plump. Aber gibt es da nicht diese mysteriösen Ansagen? „Aus Rechtsgründen hat Google 2 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt.“ Doch, die gibt es. Aber da der Verbreiter grundsätzlich genauso haftet wie der Behaupter, muss jedermann – so wie Google – zusehen, in dem jeweiligen Land verbotene Äußerungen nicht wiederzugeben.

Die weltweit führende Suchmaschine bietet den Nutzern jedenfalls ein bei weitem größeres Meinungsspektrum, als führende Google-Gegner wie Murdoch, Springer oder Burda dies tun. Dissidente Seiten jeder Couleur werden im weltweiten Netz von ihr gefunden und angezeigt. So wurde der erst 1998 gegründete Betreiber Google Inc. mit Sitz in Mountain View, Kalifornien, hierzulande meist eher für vermeintlich mangelhafte – also zu wenig – Zensur getadelt. Solcher Kritik entgegnete das Unternehmen bisher, es fühle sich der Meinungsfreiheit verpflichtet und versuche, das gesamte politische Spektrum wiederzugeben. Für die Grenzen der Meinungsfreiheit sei der Gesetzgeber verantwortlich.

Gratiskultur? So lautet ein anderer Angriffspunkt von Google-Kritikern. Google bündele den Zugriff auf Nachrichtenquellen – und streiche mit Bannerwerbung ein. Das ist für gedruckte Medien sicher schmerzhaft, liegt aber zum Teil an der inhaltlichen Monokultur etablierter Verlage. Nicht zuletzt via Google verschaffen sich Menschen Zugang zu einer Meinungsvielfalt, die auf Papier nicht ohne weiteres zur Verfügung steht.

Privatsphäre? Google sieht uns. Teilweise direkt über „Google Earth“, „Google Street View“ und neuerdings auch „Google Goggles“ (Internetrecherche nach fotografierten Motiven). Das ist weniger schön, vor allem wenn man das (nicht auf Google beschränkte) Entwicklungspotenzial solcher Technologien bedenkt. Und dann sind da noch die auf den Rechnern des kalifornischen Netzriesen vorliegenden Daten, mit deren Hilfe ein Bild der Online-Aktivitäten von Internet-Nutzern erstellt werden kann.

Fazit: Google ist mächtig, benutzt seine Meinungsmacht aber bisher zurückhaltend. Was die Internetbranche speichern darf/muss, regelt der Gesetzgeber, der – auch in den USA – derzeit leider nicht gerade die Privatsphäre in den Mittelpunkt stellt. Wer umsteigt, muss zusehen, dass er nicht vom Regen in die Traufe kommt. Zum Beispiel mit „Bing”, der gut ein halbes Jahr alten Suchmaschine des Software-Giganten Microsoft. Bing will dem Nutzer „nicht nur schneller gewünschte Informationen liefern, sondern auch bei täglichen Entscheidungsfindungen helfen“. Weswegen das Bing-Motto auch lautet: „Bing & decide“. Na toll.

Gerhard Frey