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Regional oder global?

Was jeder beim Wasserkauf wissen sollte

(August 2008)

„Alles ist aus dem Wasser entsprungen,
alles wird durch das Wasser erhalten“
Goethe, Faust II

Bitte nach Konzernen aufstellen: Links zwei Produkte von Coca-Cola, in der Mitte zwei Wässer von Nestlé, rechts solche von Danone. Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Mineral- oder Tafelwasser oder für Leitungswasser sollte sich der Verbraucher überlegen, was er fördern will: Ein Wasseroligopol dreier “Global Player”? Oder eine einheimische und ökologische Wasserversorgung zu erschwinglichen Preisen?

Vor allem drei international agierende Großkonzerne sind es, die versuchen, den Milliardenmarkt Tafel- und Mineralwasser unter sich aufzuteilen:

- Nestlé, das weltweit größte Nahrungsmittelunternehmen, vertreibt die Marken Aquarel, Fürst Bismarck, Contrex, Klosterquelle, Neuselters, Perrier, Reinbeker, San Pellegrino, Panna und Vittel.

- Coca-Cola, der weltweit größte Hersteller alkoholfreier Getränke, vertreibt Apollinaris, Vio, Bonaqua und Heppinger. Die Schweizer „Valser Mineralquellen AG“ – Valser – gehört seit 2002 zum Coca-Cola-Konzern. 2003 wurde auch die österreichische Mineralwassermarke Römerquelle von Coca-Cola Beverages Austria GmbH übernommen. Coca-Cola verkauft auch ein Wasser namens Dasani, das man in den USA und Kanada auf Platz zwei im Wassersegment positionieren konnte. Nach der Markteinführung von „Dasani“ in Großbritannien kam heraus, dass es sich nicht um Quellwasser handelt, sondern aus einem Wasserhahn in Sidcup (im Südosten Londons) stammt.

- Danone, ein multinationaler Getränke- und Lebensmittelkonzern mit Niederlassungen in rund 120 Ländern der Welt, verkauft Mineralwasser der Marken Evian und Volvic.

Sobald er das Versteckspiel der Weltkonzerne durchschaut hat, kann der Verbraucher auf jede Menge Wässer einheimischer Produzenten ausweichen. Zum Beispiel:

- Rhenser: Die Geschäftsführung der Rhenser Mineralbrunnen GmbH teilt mir mit: „Mineralwasser sollte auch aus unserer Sicht regional sein. Unser Brunnen ist schon seit Ende 2005 selbstständig, wird als mittelständisches Unternehmen privat geführt und hat keinerlei Verbindungen mehr zur Nestlé-Gruppe.“

- Hassia ist ein mittlerweile zum Konzern angewachsener Familienbetrieb und eine der führenden Mineralwasser-Gruppen in Deutschland. Die dazugehörigen Mineralwasser-Marken sind: Bad Vilbeler, Elisabethen, Glashäger, Hassia, Hessenquelle, Lichtenauer, Johanniter, Luisen, Rosbacher, Schlossquelle, Thüringer Waldquell und Wilhelmsthaler.

- Vöslauer: Die Vöslauer Mineralwasser AG ist ein Unternehmen des österreichischen Getränkekonzerns Ottakringer.

- Bad Brückenauer und Siegsdorfer Petrusquelle sind Produkte der staatlichen Mineralbrunnen AG Bad Brückenau und deren Tochter, der Siegsdorfer Petrusquelle GmbH.

- Gasteiner: Die Gasteiner Mineralwasser GmbH mit ihren 37 Mitarbeitern produziert in einem modernen Betrieb am Gasteiner Erlengrund jährlich etwa 50 Millionen Glas- und PET-Leichtflaschen.

- Adelholzener: Eine Ausnahmestellung nimmt die Adelholzener Alpenquellen GmbH ein, die den größten Mineralbrunnen Bayerns besitzt. Hundertprozentiger Gesellschafter des Unternehmens ist die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul. Alle Gewinne des Unternehmens kommen sozialen Zwecken zugute.

Trotzdem: Angesichts der zunehmend geballten Marktmacht dreier globaler Konzerne im Mineralwasserbereich ist es noch wichtiger geworden, dass hochwertiges Leitungswasser als preiswerte und ökologische Alternative auch in Zukunft überall in Deutschland gewährleistet ist. Das Wasser aus dem Hahn ist besonders umweltfreundlich. Hunderte und tausende Kilometer lange Transporte und die Rückführung oder Entsorgung der Kästen und Flaschen entfallen. Wie man es optimal nutzt, verrät eine Broschüre des Umweltbundesamts (siehe http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3058.pdf)

Die größte Gefahr für die Qualität der öffentlichen Wasserversorgung liegt in der fortschreitenden Privatisierung. Private Investoren haben in der Regel – anders als kommunale Wasserversorgungsunternehmen – nicht den Ehrgeiz, das bestmögliche Trinkwasser anzubieten. Ihnen genügt es meist, die gesetzlichen Mindeststandards zu wahren – und im Übrigen möglichst viel zu verdienen.

Gerhard Frey

Was ist eigentlich …

Trinkwasser

Trinkwasser ist nach der deutschen Trinkwasserverordnung alles Wasser, im ursprünglichen Zustand oder nach Aufbereitung, das zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken oder insbesondere zu den folgenden anderen häuslichen Zwecken bestimmt ist: Körperpflege und -reinigung, Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen.

Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser ist nach der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung Wasser, das folgende besondere Anforderungen erfüllt:
1. Es hat seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen und wird aus einer oder mehreren natürlichen oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen;
2. es ist von ursprünglicher Reinheit und gekennzeichnet durch seinen Gehalt an Mineralien, Spurenelementen oder sonstigen Bestandteilen und gegebenenfalls durch bestimmte, insbesondere ernährungsphysiologische Wirkungen;
3. seine Zusammensetzung, seine Temperatur und seine übrigen wesentlichen Merkmale bleiben im Rahmen natürlicher Schwankungen konstant; durch Schwankungen in der Schüttung werden sie nicht verändert.

Tafelwasser

Zur Herstellung von Tafelwasser dürfen nach der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung außer Trinkwasser und natürlichem Mineralwasser nur verwendet werden:
1. Natürliches salzreiches Wasser (Natursole) oder durch Wasserentzug im Gehalt an Salzen angereichertes natürliches Mineralwasser,
2. Meerwasser,
3. Natriumchlorid,
4. Zusatzstoffe nach Maßgabe der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung.