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Ein Besuch bei der „San Francisco Coffee Company“
(November 2007)
![]() Kein Einzelfall. Notiz aus dem „Trierischen Volksfreund“ vom 3./4. November 2007. |
![]() Für unnötigen Verpackungsmüll kassiert die „San Francisco Coffee Company“ einen Extra-Minuspunkt: Auch der Gast, der sich in der Filiale niederlässt, bekommt statt Gläsern PET-Einwegbecher (links), die die Umwelt deutlich höher belasten. Wer ein Getränk mitnimmt, kriegt Pappbecher mit Kunststoffeckel (rechts). |
Nicht selten treten diese Lokalitäten an die Stelle alteingesessener Cafés. Ende des Jahres 2007 weicht zum Beispiel nach 80 Jahren das Café Bley im Trierer Dreikönigenhaus einer Filiale der „Coffee Fellows“. Statt Nussecken und Zwetschgendatschi respektive Pflaumenkuchen wird es dort dann „original american Cheese Cake, importiert aus Amerika“ geben.
Machen wir es kurz: Man sollte nicht hineingehen. Auch nicht, wenn man dringend etwas per E-Post verschicken will und auf der Suche nach einem Drahtlosnetzwerk ist. Das ergab ein Test bei einer der Münchner Filialen der „San Francisco Coffee Company GmbH“.
„Non-smoking coffee place“, heißt es da am Eingang. Nicht schlecht, denkt sich zumindest der lungenempfindliche Gast. Und merkt noch kaum, was hier sonst so gespielt wird.
„Welche Sprache ist das?“
Ich bestelle einen Milchkaffee. Der deutsche Kellner hinter dem Tresen ruft: „Large cafe latte to stay“. Sein nicht einmal zwei Meter entfernter, ebenso deutscher Kollege wiederholt die Wortfolge. Hm! Ich bestelle dazu ein Leitungswasser und bin gespannt, wie die beiden das übersetzen. Tap water? Nein, es bleibt mangels dolmetscherischer Fähigkeiten bei „Leitungswasser“.
Sobald ich bei Kellner Nr. 1 den (überhöhten) Preis gezahlt habe, reicht mir der Kollege den bestellten Milchkaffee, wieder mit den nämlichen Worten: „Large cafe latte to stay“. Das Leitungswasser gibt’s wortlos. Es hat nur einen deutschen Namen und der schickt sich hier offenbar nicht.
„Welche Sprache ist das?“ Mein Gegenüber fragt zurück: „Was?“. „Nun, dieses ‚Large cafe latte to stay’“. „Englisch”, behauptet er. Ich frage nach: „Sind Sie sicher?“ Statt einer Antwort schallt es durch den Raum „Medium chai tea latte on ice to go“. Englisch klang irgendwie anders.
Die beiden an sich sehr höflich machen das natürlich nicht aus Daffke, sondern weil es zur Unternehmensunkultur gehört. „Ich mag selbst keine Anglizismen“, sagt der eine später. Und der andere setzt hinzu: „Ich hab’s auch nicht erfunden. Die nennen das hier ‚calling system’“.
Das Versenden der Elektropost hat übrigens nicht geklappt. Das Drahtlosnetzwerk mit dem ansprechenden Namen „hotspot-zone.com“ informiert zwar über „sfcc events“, aber der kostenpflichtige Weg auf die Datenautobahn ist endlos kompliziert.
Drahtlosnetzwerk, Datenautobahn, Elektropost
Ich war im Umgang mit Fremdwörtern eigentlich immer ein Anhänger der französischen Devise „Weder Purismus noch Laxheit!“. Doch die pseudoenglische Nachäfferei nimmt inzwischen so krankhafte Züge an, dass auf die groben Klötze auch grobe Keile gehören. Keine Kompromisse mehr mit derart gefährlichen Verbrechern am guten Geschmack! Man spreche mit ihnen deutsch und deutlich. Am besten gefallen mir dabei unsere schönen zusammengesetzten Hauptwörter. Nussecke, Milchkaffee, Leitungswasser, Drahtlosnetzwerk, Datenautobahn oder Elektropost. Klingen sie nicht herrlich! Was ja niemanden daran hindert, auch mal nachzusehen, wie Leitungswasser auf Englisch heißt.
Gerhard Frey