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Tanken à la Chávez?

Alternativen zu BP, Shell, Esso und Total

(September 2008)


Freie Tankstelle im Gräfelfinger Gewerbegebiet: "Bei uns tanken Sie ausschließlich voll additivierte Kraftstoffe."
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat den US-Ölgiganten ExxonMobil jüngst durch die Nationalisierung der Ölförderung und nun auch der Tankstellen des Landes verwiesen. Hierzulande bedenken nur wenige, dass Esso eine Marke von ExxonMobil ist. Auch dass Aral seit 2002 zur nicht weniger bedenklichen BP gehört, ist vielfach unbekannt. Lediglich dass Shell ein böser Finger ist, hat sich seit 1995, als der Konzern die Erdölplattform „Brent Spar“ im Atlantik versenken wollte, herumgesprochen.

Es ist schon merkwürdig:

- Vor 36 Jahren, 1972, entzog der Irak den in der Iraq Petroleum Company (IPC) zusammenarbeitenden Ölriesen Exxon, Shell, Total (seinerzeit noch unter dem Namen Compagnie française des pétroles – CFP) und BP die Konzessionen und nationalisierte die Ölförderung. Die Multis hatten die Ölvorräte des Landes seit 1925 ausgebeutet.

- Zwei Kriege und ein Embargo von mehr als zehn Jahren später können die großen Vier jetzt in den Irak zurückkehren (vgl. http://www.nytimes.com/2008/06/19/world/middleeast/19iraq.html?hp ).

- Genau diese vier Konzerne sind Marktführer in der deutschen Tankstellenbranche.


Unter falscher Flagge: Der britische Ölriese BP hat 2002 von E.ON die Aral Aktiengesellschaft & Co. KG gekauft. Auch die zirka 650 BP-Stationen in der Bundesrepublik wurden daraufhin auf den betont deutschen Traditionsnamen "Aral" umgestellt. "Aral" war der von dem Chemiker Walter Ostwald 1924 kreierte Name des vom Benzol-Verband (BV) entwickelten Benzin-Benzol-Gemisches. BV-Aral war bis 1967, als Mobil Oil (heute ExxonMobil) 28 Prozent des Grundkapitals erwarb, die größte Kraftstoffvertriebsorganisation in Deutschland ohne ausländische Beteiligung.
BP mischt zudem im konflikträchtigen Energiegeschäft im Kaukasus an der Spitze mit – sei es beim „Azerbaijan International Oil Consortium“, bei der Baku-Tiflis-Ceyhan-Ölpipeline oder der Südkaukasus-Gaspipeline. Das Treiben von Shell im Ölland Nigeria ist seit nunmehr 50 Jahren besonders kritisch zu bewerten. ExxonMobil wird unter anderem die Finanzierung von Bürgerkriegen sowie die Zerstörung der Lebensgrundlagen in Ölfördergebieten vorgeworfen.

Die Ölmultis aus Exploration und Produktion zu verdrängen, ist dem deutschen Verbraucher zwar nicht gegeben – aber bei der Verteilung kann er sie ausschalten. Denn freie Tankstellen verkaufen Sprit aus denselben Raffinerien, sind aber selbst konzernunabhängig. Das so genannte „Downstream-Geschäft” läuft nämlich anders als oft angenommen: Die meisten der 15 Raffinerien in Deutschland beliefern alle Tankstellen im größeren Umkreis. Unterschiedlich ist nur das jeweilige Additivpaket. Es wird beim Befüllen der Tankwagen in der Raffinerie dem Kraftstoff beigemischt. Im Fachjargon heißt das „Endpunktdosierung“. Ludwig Lederer, Geschäftsführer der Firma „Nebona Gewürze“, die nebenbei in Gräfelfing eine freie Tankstelle betreibt, versichert: „Bei uns tanken Sie ausschließlich voll additivierte Kraftstoffe.“

Übrigens: Das von Shell angebotene „V-Power“ und das von Aral/BP angebotene „Ultimate“ mit einer Klopffestigkeit von 100 Oktan braucht laut Autoindustrie und ADAC niemand. Denn die Klopfsensoren aktueller Motoren sind auf höchstens 98 Oktan ausgelegt.


Oder so.

Weitere für bewusste Verbraucher akzeptable Altenativen sind beispielsweise:

- die AVIA mit Hauptsitz in der Schweiz, ein Zusammenschluss von rund 80 mittelständischen Unternehmen in Deutschland und Europa.

- die OMV Aktiengesellschaft (früherer Name: ÖMV) – das mit einem Konzernumsatz von 18,97 Milliarden Euro größte Unternehmen Österreichs. 31,5 Prozent an der OMV hält die Österreichische Industrieholding, kurz ÖIAG, die die Beteiligungen der Republik Österreich an staatlichen und teilstaatlichen Unternehmen verwaltet.

Gerhard Frey