(November 2003)
Es verschlug manchem die Sprache: "die aktuelle" hat Karl-Heinz Rummenigge nachspioniert und dabei ermittelt, dass er eine Freundin hatte. Die Illustrierte ließ sogar vor deren Wohnung lauern und mitprotokollieren, wann und wie lange Rummenigge sie besucht hat. Dann wurde Frau Rummenigge mit den "Erkenntnissen" konfrontiert. Und dann alles veröffentlicht.
Das ist die brutalstmögliche Neuauflage eines Themas, über das Henrik Ibsen, der größte norwegische Dramatiker, 1884 in seinem Drama "Die Wildente" bereits alles gesagt hat. Darin will ein junger Mann seinem Jugendfreund, der glücklich verheiratet ist, die Augen über die Vergangenheit von dessen Frau öffnen mit tödlichen Folgen. Immerhin steht Ibsens "Wahrheitsfanatiker" im Unterschied zur Sensationspresse in einem gewissen Bezug zu seinen Opfern und es geht ihm auch nicht um Geld und Auflage.
Wenig vornehme "Stützen der Gesellschaft" haben den "Fall Rummenigge" jetzt vielmillionenfach ausgebreitet. Und der Chefkolumnist des Axel-Springer-Verlags, Franz Josef Wagner, räsonierte in der "Bild"-Zeitung ("Post von Wagner") über Rummenigges angebliche Gewohnheiten: "Oft kamen Sie, lieber Karl-Heinz Rummenigge, nachmittags mit Torten bei Ihrer Nachmittags-Geliebten an."
Was Rummenigge privat macht, geht uns nichts an. Weder hat er sich mit Freundin in die Öffentlichkeit gedrängt noch sonst Anlass für die Kampagne geboten, die die Regenbogenpresse auf Kosten von ihm und seiner Familie entfacht hat. Ein Verstoß gegen die Menschenwürde und das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das die Privat- und die Intimsphäre auch Prominenter schützt!
Gerhard Frey