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Wir Googlehupfe

(August 2010)

Gute Zeiten für Einbrecher, Stalker, Heiratsschwindler, Neugierige aller Art. Durch den Straßenfotodienst „Google Street View” können sie sich bald schon am Bildschirm einen Überblick verschaffen, wer wie lebt, ob was auch immer sich lohnt und wie es zu bewerkstelligen ist. Klar, dass das der Mehrheit der Deutschen nicht recht ist.

„Ich begrüße das Widerspruchsrecht, das Google einräumt“, meint da Bundesinnenminister de Maizière. Doch das ist in Wahrheit bloß ein Almosen. Was passiert, wenn Sie sich an die Google Germany GmbH, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg, wenden und der Speicherung und Veröffentlichung von Abbildungen des von Ihnen bewohnten Hauses widersprechen? Google beantwortet nach eigenen Angaben jeden schriftlich eingegangenen Widerspruch mit einer Eingangsbestätigung. Außerdem erhält, wer widerspricht, eine „Nachricht von Google mit einer genauen Erklärung, wie die Funktion zur Unkenntlichmachung von Häusern bzw. Grundstücken benutzt wird”. Diese Möglichkeit steht vor der Veröffentlichung aber nur vier Wochen zur Verfügung.

Es reicht also nicht, dass Sie den sehr geehrten Damen und Herren mitteilen, was Sie wollen. Sie müssen sich dann noch selbst auf den Google-Seiten zu schaffen machen, um, wenn Sie die vom Netzriesen diktierten Regeln hinreichend verinnerlicht und befolgt haben, zu Ihrem Recht zu kommen. Trotzdem zieht auch der Gesetzentwurf des Bundesrats nicht die notwendige Konsequenz, dass Bildnisse von privaten Gebäuden ohne ein besonderes berechtigtes Interesse nur mit Einwilligung der Betroffenen im Netz abrufbar sein dürfen.

„Google Street View” ist ein neuer Baustein zu dem immer umfassenderen Mosaik, das es erlaubt, in Ihre Privatsphäre einzudringen. Und die Abwehr dieser neuen Zumutung ist nur einer der vielen Schritte, die nötig sind, um sich vor Schaden zu bewahren. „Verbraucherschutz durch Information“ lautet die Parole, mit der seit Jahrzehnten verbindliche Schutzstandards ausgehebelt werden. Aber vielleicht will man seine Freizeit nicht mit lauter „genauen Erklärungen“ à la Google zubringen, sondern mit der Familie, einem Buch oder auf dem Sportplatz.

Was zählt mehr: Das Interesse des mächtigen kalifornischen Unternehmens, mit dem Straßenfotodienst die Frequenz auf seinen Seiten zu erhöhen und damit mehr Werbeeinnahmen zu erzielen? Oder unser Recht, in Ruhe gelassen zu werden und nicht nach der Pfeife von Google hupfen zu müssen?

Gerhard Frey